Die Langobarden


Die „Eiserne Krone“ der Langobarden, aufbewahrt im Domschatz von Monza

Der "Origo gentis langobardorum", der langobardischen Ursprungssage, die im 7. Jahrh. nach mündlichen Überlieferungen geschrieben wurde, können wir entnehmen, daß das germanische Volk sich zuerst "Winniler" nannte. Aus Skandinavien kommend, überquerten sie Ende des 1. Jahrh. die Ostsee und siedelten an der Unterelbe. Dort kamen sie in Konflikt mit den damals das östliche Mitteleuropa beherrschenden Wandalen.Dieses und Überbevölkerung zwangen einen Teil des Volkes zur Auswanderung und Landsuche. In den folgenden Jahrhunderten drangen die Langobarden (=Langbärte,evtl.auch Langschwerter) ins heutige Niederösterreich (um 490), zu Beginn des 6. Jahrh. ins heutige Ungarn vor.

Der byzantinische Feldherr Narses rief 553 die Langobarden in seinem Krieg gegen die Ostgoten zu Hilfe. Am Dienstag nach Ostern des Jahres 568 zogen die Langobarden unter ihrem Heerführer Alboin in Friaul ein. In Cividale errichteten sie ihr erstes Herzogtum in Italien. Die Ereignisse jener Tage können wir nachlesen in der "Historia Langobardorum" des Paulus Diaconus, der Ende des 8. Jahrh. die Geschichte seines Volkes niederschrieb.

Schon vor ihrem Einmarsch in Italien hatten die Langobarden ein differenziertes soziales System entwickelt. An der Spitze des Soldatenvolkes stand ein König. Ihm unterstanden die duces (Einz. dux), die nach der Besiedelung Italiens relativ selbständig über eigene Gebiete, die ducati, regierten. Kontrolle durch den König fand in jedem ducatus durch einen Gastalden statt, der nur dem König verantwortlich war und in jeder Hauptstadt einen eigenen Palast bezog. Das Volk war in Freie, Halbfreie und Sklaven unterteilt. Die alteingesessene Bevölkerung hatte ein Drittel der landwirtschaftlichen Erträge an die neuen Herren des Landes abzuführen, die zahlenmäßig nur eine Minderheit darstellten.

Das religiöse Bekenntnis der Langobarden war nach der Christianisierung der Arianismus. Dies teilten sie mit anderen germanischen Völkern und machte sie dem römischen Bischof zum Feinde. Auch von anderer Seite drohte Gefahr: Slawen rückten nach über die Alpen, und die Hunnen (Awaren) fielen ein, mordeten und plünderten. Die Byzantiner griffen von See her die neue Herrschaft an. Gegen ihre Feinde bauten die Langobarden ein neues Verteidigungssystem mit sieben Festungen. Dieser sogenannte "langobardische Limes" bestand aus den Kastellen Cormons, Osoppo, Artegna, Ragogna, Gemona und Invillino-Ibligo.

Im Jahre 643 legte König Rothari ein neues Gesetzbuch vor, das das bisherige langobardische Gewohnheitsrecht zusammenfaßte und neu ordnete. Obwohl die darin aufgeführten Gesetze nur für die germanische, nicht für die romanische Bevölkerung galten, war der Text lateinisch abgefaßt. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, daß sich die Langobarden nach und nach der romanischen Kultur angepaßt hatten. Dies belegen auch die Zeugnisse der Bau- und Bildhauerkunst, wie sie z. B. in Cividale heute noch zu sehen sind; erwähnt seien hier der sog. Ratchis-Altar, das Taufbecken des Patriarchen Callixtus (ital.Callisto) und der sog. Tempietto Longobardo.

Gegen das weitere Vordringen der Langobarden in Italien riefen die Päpste Stephan II. und Hadrian die Franken zu Hilfe. Karl der Große besiegte schließlich den letzten Langobardenkönig Desiderius in der Schlacht von Pavia, verleibte sein Gebiet seinem eigenen Reich ein und machte sich selbst zum König der Langobarden (776).

Der Name der oberitalienischen Region der Lombardei mit der Hauptstadt Mailand (Milano) erinnert noch an das einstige Reich der Langobarden.

Quelle:
Dumont Reiseführer Friaul und Triest Köln 1994